
Spätestens seit Beginn der 1990er Jahre geht ein Gespenst um. Nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Dieses Gespenst ist ein Begriff, der in immer stärkerem Maße die gesellschaftlichen Diskussionen und Diskurse prägt. Der Begriff heißt Globalisierung.
An sich schwammig, verstehen trotzdem die meisten dasselbe darunter: Globalisierung, das meint die Verschärfung des weltweiten Wettkampfes. Globalisierung das meint das Wegfallen alter Regeln, was zu neuen ungewohnten und unübersichtlichen Situationen führt. Diese beiden Phänomene stehen in dialektischer Beziehung zueinander, sie bedingen sich gegenseitig und verstärken einander. Die Ergebnisse der Entwicklung können in ihrer Ambivalenz weltweit besichtigt werden.
In vielen Bildungseinrichtungen liegen die letzten grundlegenden Anpassungen an veränderte gesellschaftliche Verhältnisse und Bedürfnisse mehr als 30 Jahre zurück. Das Konzept des Bildungsmanagements unternimmt nun den Versuch, Bildungseinrichtungen unterschiedlichster Art zukunftsfähig zu machen. Analog zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung wird dabei wesentlich auf die Effizienz und Wirksamkeit betriebswirtschaftlicher Theorie vertraut. Bildungsmanagement bedeutet, Management-Techniken an die besonderen Gegebenheiten von Bildungseinrichtungen anzupassen und so auch für diesen Bereich nutzbar zu machen.
Diesem Ansatz liegt eine doppeltes Bedürfnis zugrunde. Einerseits besteht der Anspruch, dass Bildungseinrichtungen die Lernenden bestmöglich auf veränderte Umfelder vorbereiten. Weiterhin sollen die Lernenden mit möglichst sicher mit jenen Kompetenzen ausgestattet werden, die ihnen ein erfolgreiches Agieren in diesen Umfelder ermöglichen sollen. Andererseits bekommen Bildungseinrichtungen als gesellschaftliche Institutionen den beschriebenen Wandel zu spüren. Auch hier sind grundsätzliche Neu-Positionierungen gewünscht und auch nötig. Bildungsmanagement hat den Anspruch, Antworten auf diese zweifache Herausforderung zu finden.
Dabei bewegt sich das Bildungsmanagement selbst in einem Spannungsfeld. Schon als Wort vereint zwei gegensätzliche Sphären: Die Subjektorientierung des klassischen Bildungsbegriffs der Aufklärung und die Verwertungsinteressen, das Streben nach Effizienz und Effektivität, die der Begriff „Management“ beinhaltet. Auf den ersten Blick scheinen die gegensätzlichen Ansprüche, die diese Begriffe an alle Beteiligten stellen unvereinbar.
Diesem scheinbaren Dilemma kann man entgehen, indem man für den Bereich der Bildungseinrichtung eine begriffliche Trennung vornimmt. Demnach ist die Bildung selbst kein Produkt wie Waschmittel oder Autos. Sie ist vielmehr eine individuelle Anstrengung zur Aneignung von Wissen und Kompetenzen. Bildungseinrichtungen sind daher keine Anbieter des „Produktes“ Bildung. Sie fungieren vielmehr unterstützend und steuernd für den Bildungsprozess.
Betrachtet man die Aufgabe von Bildungseinrichtungen aus diesem Blickwinkel, so erscheinen sie in erster Linie als Dienstleister. Diese Tätigkeit gilt es zunächst klar zu definieren und anschließend durch Erkenntnisse der Betriebswirtschaft weiterzuentwickeln.
Dabei muss klar sein, dass Bildungsdienstleistungen besondere Dienstleistungen sind. Sie zeichnen sich zum Beispiel durch ein außergewöhnlich hohes Maß an Mitwirkung seitens derjenigen aus, die sie in Anspruch nehmen. Ein tragfähiges Konzept für Bildungsmanagement sollte daher Erkenntnisse der ökonomischen Wissenschaften nicht kritiklos übernehmen. Eine gründliche Prüfung, ob sie dem besonderen Charakter von Bildungsprozessen gerecht werden muss daher fortwährend erfolgen. Nur so ist Bildungsmanagement die Tätigkeit von Bildungseinrichtungen auf ein funktionierendes, neues Fundament zu stellen.
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